TERIJOKI – ein Teil von Finnland bis zum Jahre 1947
Terijoki lag in der Südostecke Finnlands, auf der Karelischen
Landenge am Finnischen Meerbusen. Im Osten jenseits Rajajoki (=
Grenzfluss) öffnete sich die Sowjetunion, das heutige Russland. Die
Fläche von Terijoki war ungefähr 122 qkm i. J. 1939 und die
Einwohnerzahl etwa 6700. Dank seiner langen, prächtigen Strände und
Hunderten von schönen Villen war Terijoki sehr bekannt. Auf Grund des
günstigen Klimas gab es dort zahlreiche Badeanstalten und
Unterbringungsmöglichkeiten. In der Sommersaison wurde Terijoki von
Zehntausenden von Urlaubern besucht.
Das Zentrum der Gemeinde war das Dorf Terijoki. Dort standen die
lutherische, sowie eine griechisch-katholische und eine
römisch-katholische Kirche. In Terijoki gab es 11 Volksschulen und eine
Oberschule für Jungen und Mädchen; auch eine Volkshoch- und eine
Handelsschule. Da wurde viel Kleinindustrie, Gartenbau, Fischerei und
ein wenig Landwirtschaft betrieben. (In der Terijoki Garnison waren Das
Erste Jägerbataillon und Die Getrennte Pionierkompanie stationiert.)
Wegen der geographisch wichtigen Lage residierte dort auch der Stab der
Grenzbewachung des Finnischen Meerbusens.
Terijoki wurde in Dokumenten schon im 16. Jahrhundert erwähnt, aber
nach der Vollendung der Eisenbahnbauten zwischen Riihimäki und St.
Petersburg i.J. 1870 hatte eine neue, wichtige Entwicklungsperiode ihren
Anfang genommen. Die Lage am Meer in der Nähe von St. Petersburg lockte
vermögende Sommergäste aus mehreren Ländern an, und Ende des 19.
Jahrhunderts begann eine kurze, glänzende Zeit als Urlaubsort. Sie
endete mit der russischen Revolution und der Selbständigkeit Finnlands
i. J. 1917. Die russisch-finnische Grenze wurde gesperrt. Noch einmal
wurde Terijoki ein beliebtes Sommerferiengebiet, das allgemein unter dem
Namen ”Riviera des Nordens” bekannt war. Aber jetzt wurde der Service
und das lebhafte Strandleben von finnischen Sommergästen gepriesen.
Vor dem Angriff der Sowjetunion auf Finnland i.J. 1939 wurden die
Bewohner von Terijoki nach anderen Orten in Finnland evakuiert. Nachdem
die finnischen Truppen im Fortsetzungskrieg Terijoki zurückerobert
hatten, kamen etwa 150 Personen zurück. Vor dem sowjetischen grossen
Angriff i.J. 1944 wurden sie wieder anderswo in Finnland evakuiert. Nach
dem Fortsetzungskrieg wurden die Bewohner Terijokis in Süd-Finnland
untergebracht, die meisten in der Provinz Uusimaa. Die Russen haben
Terijoki den Namen Zelenogorsk gegeben, und die neue Bevölkerung wurde
von anderen Teilen der Sowjetunion dorthin umgesiedelt.
Die Teri-Säätiö (Teri-Stiftung) wurde nach den zweiten Weltkrieg
gegründet, als die ganze Viipuri-Provinz nach dem Friedensvertrag in
Paris 1947 der Sowjetunion überlassen werden sollte. Die Tätigkeit der
finnischen Terijoki-Gemeinde war zu Ende. Der Restbesitz der Gemeinde
wurde auf die Teri-Stiftung übertragen. Die Stiftung hat sich zur
Aufgabe gemacht, die Erinnerung an Terijoki zu hüten, den
Terijoki-Bewohnern und ihren Erben in ihren wirtschaftlichen und
geistigen Interessen eine Stütze zu sein, und auch als ein Bindeglied
zwischen den vorigen Terijoki-Bewohnern zu fungieren.
Die Terijoki-seura ry (der Terijoki-Verein) wirkt als
Verbindungsorgan zwischen allen, die Terijoki besucht oder bewohnt haben.
Der Verein sammelt und archiviert Zeugnisse zu Terijokis Geschichte und
Kultur, hütet die Erinnerung und Tradition der vorigen Heimat und nimmt
Terijoki-Material aller Art gerne entgegen.